UNIBEL - Integration ist nicht gleich Assimilation
In letzter Zeit fällt im Zusammenhang mit Integration häufiger auch der Begriff Assimilation. Dieser ist negativ behaftet und erweckt den Eindruck, dass es (mit Hinblick auf Integration) das Ziel der Politik oder der Gesellschaft sei, Menschen mit Migrationshintergrund in die hiesigen kulturellen oder religiösen Vorstellungen einzugliedern.
UNIBEL - UnGleich und Flexibel - möchte auf spielerische Art und Weise zeigen, dass gerade mit der Vielfältigkeit, z.B. in kultureller Hinsicht, ein besonderer gesellschaftlicher Mehrwert geschaffen werden kann. Es muss aber klar sein, dass dieser nur über eine gemeinsame Kommunikationsform erkannt und geschaffen wird.
Dabei muss man sich aber auch intensiver Gedanken machen (wollen), wo in den verschiedenen Kulturen - unabhängig von symbolischen Unterschieden - in vergleichbaren Altersgruppen gemeinsame Werte bzw. Spielregeln erkennbar sind und inwieweit diese mit der Grundlage unseres Rechtstaats, dem Grundgesetz,  übereinstimmen.Â








11. Juni 2008 um 23:39 Uhr
nochmals ich…
da es (noch) keinen ‘pressereiter’ gibt:
hier der mannheimer morgen vom 10.06.08
Projekt: Auf der Schönau sollen Migrantenkinder spielerisch lernen, wie Beteiligung funktioniert
Politik, Theater und ihre Gemeinsamkeiten
Von unserem Redaktionsmitglied Timo Schmidhuber
Was Politik ist und wie sie funktioniert, darüber haben Wissenschaftler schon ganze Bibliotheken gefüllt. Das Problem ist nur, dass diese Bücher für Elfjährige zu schwierig sind - und zu langweilig dazu. Die Literaturwissenschaftlerin Sara Vello-Saller und der Theaterregisseur Stefan Grießhaber haben sich deshalb mit ihren Mitstreitern einen anderen Weg überlegt, um Migrantenkindern zwischen elf und 13 aus der Türkei, aus Italien und anderen Herkunftsländern zu zeigen, wie politische Beteiligung funktioniert. Mit Theater und Rollenspielen wollen sie das den Jungen und Mädchen beim Projekt “Unibel” an vier Samstagnachmittagen vermitteln - unbewusst sozusagen.
Doch wie soll das funktionieren? “Beim Theater kann man die Rolle eines anderen übernehmen”, erklärt Regisseur Grieshaber. Die Jungen und Mädchen spielen etwa einen Konflikt an der Bushaltestelle nach. Die Türken geben dabei die Italiener, die Italiener die Türken, im Anschluss wird über das Gespielte diskutiert. “Die Kinder”, so Grießhaber, “lernen so, die eigene Rolle von einer übergeordneten Perspektive aus zu sehen - und wie man zwischen den verschiedenen Interessen zu einem Konsens kommen kann.” So funktioniert letztlich auch Politik.
Ein spannendes Projekt, “das es so noch nie gab”, wie Vello-Saller, die selbst aus Italien stammt, erklärt - und von dem auch noch nicht klar ist, wie es ausgeht und ob es klappt. Aber die Bundeszentrale für politische Bildung fand es so reizvoll, dass sie insgesamt 20 000 Euro Fördergeld bewilligte. Sie hat zum ersten Projekttag vergangenen Samstag eigens eine Mitarbeiterin zur Unterstützung ins Pfarrer-Veith-Haus auf der Schönau geschickt.
Beim diesem ersten Treffen wird noch nicht Theater gespielt, die 15 Kinder von der Schönau sollen sich erst einmal kennenlernen. Bei einem Spiel etwa, bei dem sie über eine Leiter klettern müssen, die zwei “fremde” Kinder halten. Im Anschluss geht es darum, aus Zeitschriften und Bildern Collagen zu gestalten - Thema: “Was gefällt euch auf der Schönau und was nicht”. Das, so der Regisseur Stefan Grießhaber, soll die thematische Grundlage sein für die später folgenden Rollenspiele.
Enes und Ensar, zwei 14 Jahre alte Jungs, sitzen am Tisch und schneiden fleißig aus: eine Graffiti-Wand, Bilder der türkischen Nationalmannschaft, eine Foto der Straßenbahn. Was sie bei dem Projekt genau erwartet, ist ihnen offenbar noch nicht ganz klar. “Schauspielen”, sagt Enes, “hier ist Theater”, fügt Ensar hinzu. Eine Nachbarin habe ihm von der Aktion erzählt. “Man muss mal was anderes machen, nicht immer nur rausgehen oder Computerspielen.” Diese Einsicht war nicht überall da, Sara Vello-Saller hat im Vorfeld enorme Überzeugungsarbeit bei den Eltern aller Teilnehmer leisten müssen, damit diese überhaupt kommen durften. “Da waren Berge zu versetzen.”
An den nächsten drei Samstagen stehen nun die Rollenspiele auf dem Programm, die Sozialwissenschaftlerin Dorothee Dickenberger von der Mannheimer Uni wird das Projekt später noch auswerten. Die Jungen und Mädchen, so hoffen die Veranstalter, haben dann einiges über Politik gelernt.
Mannheimer Morgen
10. Juni 2008